Wir wissen das: Das Altern beginnt nicht erst im hohen Alter. Es begleitet uns Menschen durch unser gesamtes Leben. Dieser Beitrag zeigt das Altern als aktiven Entwicklungsprozess mit allen Chancen – und auch Grenzen. Er beleuchtet biologische, chronologische und wahrgenommene Altersbilder. Im Fokus steht dabei das individuelle Bewältigungsverhalten älterer Menschen. Eine Betreuung, die Selbstwirksamkeit stärkt und Lebensqualität gezielt fördert – darum geht es in meiner Arbeit als Senioren-Assistenz.

Ich verstehe Altern als Prozess innerhalb der Lebensspanne, denn das Altern ist eine lebenslange und menschliche Entwicklung, die sowohl durch Gewinn und Wachstum als auch durch Verlust und Abbau gekennzeichnet sind. Hinzu kommt, dass Entwicklung in einer offenen zeitlichen Abfolge stattfindet und jeweils individuelle Unterschiede aufweist. Ebenso sind bereichsspezifische Entwicklungen enthalten. Aber auch das Erkennen, dass Möglichkeiten und Grenzen veränderbar sind. In dieser Betrachtung wirken biologische und kulturelle Einflüsse, ebenso die Entwicklungsbemühungen des Einzelnen auf seine individuellen Entwicklungskontexte. Ziele dieser Bemühungen sind Wachstum, Aufrechterhaltung und Regulation von Verlusten.
Vorhandene Ressourcen nutzen für die Bewältigung des Alltags
Die Prinzipien dieses Gestaltungsprozesses sind u.a., dass der Bedarf an Kultur über die Lebensspanne ansteigt und eine selektive Optimierung mit Kompensation angestrebt wird. Dies betreffen einerseits die Bildung und Auswahl von Zielen, den Einsatz von Ressourcen und Mitteln wie die Aneignung von Fähigkeiten und Fertigkeiten, Investition von Zeit als auch von Mühen. Eine angemessene Reaktion auf Verlust und Abbau, wie etwa die Mobilisierung von Reserven, der Einsatz von Ressourcen, eine erhöhte Aufmerksamkeit, Annahmen von Hilfen und Unterstützung zählen ebenfalls dazu.
Den Veränderungen, denen sich Menschen im Prozess des Alterns aktiv entgegenstellen oder anpassen sind u.a. Veränderungen in den Bereichen Wahrnehmung, Motorik, Denken, Einstellungen und in ihrer sozialen Lebenswelt, d.h. ihrem direkten sozialen Umfeld. So steht nicht die Bewältigung des Alters mit seinen Belastungen im Vordergrund der oben benannten Entwicklungsbemühungen, sondern in erster Linie das individuelle Bewältigungsverhalten des älteren Menschen. Selbststeuerung und Selbstwirksamkeit nehmen hier einen großen Stellenwert ein und fördern das Wohlbefinden und die Lebensqualität des älteren Menschen.
Alter: chronologisch, biographisch, kalendarisch, biologisch, wahrgenommen.
Somit unterscheiden wir in unserem Konzept des Alterungsprozess innerhalb der Lebensspanne zwischen chronologischen (biographischen, kalendarischen), biologischen und wahrgenommenes Alter, die alle entwicklungsbedingt im Kontext der Lebensspannen zu betrachten sind.
Das chronologische Alter
Das chronologische Alter ist ein Merkmal einer Person, eine zeitliche Angabe seiner Existenz, seinem tatsächlichen Lebensalter.
Das biologische Alter
Das biologische (physiologisches) Alter beschriebt den physischen Zustand von Organen oder Organsystemen im Vergleich zum chronologischen Alter. In diesem Alter müssen sich Veränderungen nicht auf die ganze Person beziehen. Sie können auch getrennt auf verschiedene Organsysteme und Funktionsweisen auftreten und bestimmt werden. Veranlagung und äußere Faktoren haben darauf Einfluss, so dass der Körper durch gesunde Ernährung, körperliche Fitness und gesundem Lebensstil sowie auch einer positiven Lebenseinstellung länger biologisch jung erhalten werden kann. Die Bestimmung vom biologischen Alter ist z.Z. noch unzuverlässig und sehr aufwändig.
Das wahrgenommene Alter
Wir verstehen unter wahrgenommenes Alter, die Selbsteinschätzung des älteren Menschen sowie die Einschätzung des Gegenübers, d.h. die gewonnenen Eindrücke als auch Überzeugungen aus den Interaktionen zwischen einem älteren Menschen und einer anderen Person in unterschiedlichen Situationen.
Begleitung durch eine erfahrene Senioren-Assistenz
Diese oben beschriebenen Einschätzungen werden meist gesellschaftlichen Zuschreibungen, persönlichen Erfahrungswerten und durch konkrete Beobachtung sowie Deutung von Auswirkungen der Sinneswahrnehmungen, der individuellen Handlungskompetenz, der Entwicklungskompetenz und des Bewältigungsverhalten eines älteren Menschen zugeschrieben.
Hier gilt es für mich als zertifizierte Senioren-Assistentin eine feinfühlige und wertschätzende Beobachtung und Deutung sowie Begleitung anzubieten, die individuell auf die ganzheitliche Situation des älteren Menschen abgestimmt ist. Das Plöner Modell ist eine anerkannte Aus- und Weiterbildung mit hohem Qualitätsstandard der Bundesvereinigung der Senioren-Assistenten Deutschland e.V. (BdSAD), um eine qualifizierte und seniorengerechte Alltagsbegleitung Zuhause, in den eigenen vier Wänden anbieten zu können.

Im Gespräch mit einer blinden Seniorin, die 85 Jahre zählt und an Demenz erkrankt ist. Ihr Mann, 91 Jahre alt, unterstützt seine Frau, wo er kann.
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Im Gespräch über seinen geliebten Garten und seine Reisen nach Italien. Zugfahren ist für ihn als ehemaliger Lockführer ein besonderes Erlebnis.
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Allgemein und in der Literatur wird von älteren Menschen gesprochen, wobei unterschiedliche Altersangaben zu Senioren gemacht werden. Deshalb orientieren wir uns an den Einteilungen von Altersgruppen nach der Einordnung durch das Amt für Statistik, Stadtforschung und Wahlen für die Stadt Essen, die sich aktuell mit der Bevölkerungsvorausberechnung bis 2030 beschäftigt. Senioren werden hier ab 65 oder mehr Jahre gruppiert. Diese Altersgruppe wird in fünf Untergruppen wie folgt eingeteilt:
- Senioren im Alter von 65 bis 66 Jahre;
- Senioren im Alter von 67 bis 74 Jahre;
- Senioren im Alter von 75 bis 79 Jahre;
- Senioren im Alter von 80 bis 89 Jahre;
- Senioren im Alter von 90 oder mehr Jahre.
Fazit
Unter dem Leitgedanken „Gemeinsam im Lebensumfeld (wieder) aktiv sein und Begegnungen erfahren“ richte ich mich an diese Altersgruppen. Mit ganz individuellen Ansätzen, denn jede Seniorin und jeder Senior ist ein besonderer, einzigartiger Mensch!
Altern ist ein lebenslanger Entwicklungsprozess. Er umfasst Gewinn, Wachstum, Verlust und Abbau. Jedwede Entwicklung verläuft individuell und in offener zeitlicher Abfolge. Biologische, kulturelle und persönliche Einflüsse wirken immer zusammen. Das Ziel der Arbeit einer Senioren-Assistentin bleibt Wachstum, Stabilisierung und der Umgang mit Verlusten.
Menschen wählen Ziele, nutzen Ressourcen und kompensieren Einschränkungen. Veränderungen betreffen Körper, Denken, Einstellungen und das soziale Umfeld – also aller Angehörigen, Zugehörigen sowie Seniorinnen und Senioren. Selbststeuerung und Selbstwirksamkeit stärken Wohlbefinden und Lebensqualität. Alter zeigt sich chronologisch, biologisch und im subjektiven Erleben. Feinfühligkeit, Wertschätzung und individuelle Begleitung sind mir als Senioren-Assistenz ein starkes inneres Bedürfnis und ein hoher sozialer Wert.
Damit es allen Beteiligten möglich ist, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. So weit es eben geht.
Herzliche Grüße, ich freue mich auf Ihre Kontaktaufnahme!
Ihre Monika Riech
P.S. Teile dieses Artikels finden sich in meiner Prüfungsarbeit im Rahmen der Weiterbildung zur Qualifizierung in der professionellen Senioren-Assistenz „Gemeinsam im Lebensumfeld (wieder) aktiv sein / Begegnungen erfahren“ nach dem Plöner Modell.
(Bildmaterial: eigenes Material)

